Wie Sie Ihr Haus erfolgreich energetisch sanieren

 In Allgemein

Wussten Sie, dass Bewohner einer 70-Quadratmeter-Wohnung in diesem Jahr zwischen 550 und 1.200 Euro – durchschnittlich 800 Euro – für Heizkosten ausgaben? Für die große Spanne verantwortlich ist vor allem der energetische Sanierungszustand eines Hauses. Oder anders ausgedrückt: 85 Prozent der Haushaltsenergie entfallen auf Heizung und Warmwasser.
Wollen Sie langfristig Ihre Heizkosten senken? Dann ist die energetische Modernisierung Ihres Hauses neben sonstigen Energieeinsparoptionen praktisch ein Muss. Sie steigern so den Wert der Immobilie und sind unabhängiger von Preisentwicklungen der Brennstoffe, Energieträger und des Stroms. Um die Immobilie auf ein zeitgemäßes energetisches Niveau zu bringen, gilt es, sich im Vorfeld genau zu informieren und wichtige Details zu beachten.
Quellen: co2online, dena

 

Was heißt überhaupt „energetisch sanieren“?

Je nach Baujahr des Hauses sind unterschiedliche Maßnahmen möglich, abhängig auch vom finanziellen Budget. „Klassische“ Sanierungsfälle sind der Heizkesseltausch, die Dach- und Fassadendämmung inklusive neuer Wärmeschutzfenster sowie eine effizientere Heiztechnik, kombiniert mit erneuerbaren Energien – wie sie bei Solarthermie, Photovoltaik, Wärmepumpen, Pelletheizung oder teils auch bei einem Mikro-KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) genutzt werden. Auch eine Kellerdeckendämmung kommt je nach Gebäudezustand infrage.

Herangehensweise und Planung

Mit diesen fünf aufeinander folgenden Schritten kommen Sie einer erfolgreichen Sanierung näher:
1. Diagnose und Beratung
2. Finanzierung
3. Planung
4. Umsetzung
5. Abnahme und Übergabe
Quelle: die-hauswende.de

Bevor Sie jedoch detailliert planen und mit den energetischen Maßnahmen starten, sollten Sie alle nötigen Daten und Bewertungen zum Haus einholen, sich eine Finanzierungsstrategie überlegen, Fördermöglichkeiten abklopfen und Synergien ausloten. Planen Sie ohnehin Arbeiten an der Fassade? Dann kann in diesem Zuge auch gleich eine neue Außenwanddämmung angebracht werden. Steht beispielsweise dringend eine Dachdeckung an, ist es sinnvoll, vorher eine zeitgemäße Dachisolierung zu integrieren.

 

Energieausweis – der energetische Steckbrief

Der Energieausweis – sicher haben Sie davon schon gehört. Das ist praktisch ein energetischer Steckbrief für Wohnhaus oder Wohnung – seit 2014 Pflicht – und bei einer geplanten Sanierung zum KfW-Effizienzhaus für die energetische Gesamtbilanz nötig. Spätestens beim Vermieten oder Verkauf ist er ebenfalls ein Muss. Käufer oder Mieter erhalten das Original-Dokument oder eine Ausweiskopie. Der Sinn des in der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschriebenen „Pflichtenheftes“ ist, sich als potenzieller Interessent auch ein ungefähres Bild über zu erwartende Energiekosten machen zu können. Ein solcher Ausweis enthält Angaben zum energetischen Ist-Zustand des Gebäudes, zu Baujahr und Heizsystem. Auch Modernisierungsempfehlungen sind dort gelistet. Ist der berechnete Energiebedarf aufgeführt, spricht man vom „Bedarfsausweis“. Stehen gemessene Energieverbrauchswerte darin, haben Sie einen „Verbrauchsausweis“ vor sich, der das Nutzerverhalten seiner Bewohner widerspiegelt.
In seit Mai 2014 erstellten Ausweisen sind zudem die Effizienzklassen der Skala A+ bis H eingetragen. Um den zu erwartenden Energieverbrauch jedoch realistisch einzuschätzen, sind nur die Vergleichswerte in den Ausweisen nach aktueller EnEV 2014 geeignet.

Die ersten Energieausweise verlieren übrigens ab 2018 nach zehn Jahren ihre Gültigkeit. Einzelheiten dazu und beispielsweise zu der Frage, wer berechtigt ist, einen Energieausweis auszustellen, hat  die Verbraucherzentrale sehr detailliert ausgeführt und zusammengestellt.
Für Baudenkmäler benötigen Sie hingegen keinen Ausweis. Dennoch ist es in Ihrem Sinne, sich zu konkreten Denkmalschutzanforderungen kundig zu machen.

 

Energieberatung – Einschätzung vom Experten

Je nach Haus kann eine Summe an Maßnahmen oder auch eine Einzelmaßnahme das Richtige sein, um den Wohnkomfort zu erhöhen und gleichzeitig den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. Wünschen Sie fachliche Unterstützung, um besser über die eine oder andere Sanierungsmaßnahme entscheiden zu können? Sie wissen nicht genau, wieviel welche Maßnahme kostet? Eine qualifizierte Energieberatung für Wohngebäude (ehemals Vor-Ort-Beratung) gibt ersten Aufschluss: Ein zertifizierter Energieberater unterstützt Sie dabei, die Bausubstanz zu beurteilen und einzelne, aufeinander abgestimmte und zeitlich versetzte Schritt-für-Schritt-Maßnahmen beziehungsweise einen Maßnahmen-Mix vorzuschlagen. Er erstellt einen individuellen Sanierungsfahrplan, der innerhalb Ihres finanziellen Budgets liegt. Und er prüft, inwiefern sich bestimmte Maßnahmen finanziell lohnen. Zu guter Letzt berät er Sie, mit welchen Fördergeldern Sie rechnen können. Als Baubegleiter leistet ein solcher Fachmann auf Wunsch später ebenfalls gute Dienste.

 

Förderung – Licht in den Dschungel bringen

Der Bund fördert das energetische Sanieren über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BAFA) mit Krediten und Zuschüssen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst die Energieberatung bei Ein- und Zweifamilienhäusern mit maximal 800 Euro, 1.100 Euro gibt es für Wohnhäuser mit mindestens drei Wohneinheiten, 500 Euro für Wohnungseigentümergemeinschaften. Der Zuschuss kommt dem Energieberater zugute, der den Bonus mit seinem Beratungshonorar verrechnet.
Für eine qualifizierte Baubegleitung gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent Ihrer Kosten für den Experten – maximal 4.000 Euro pro Vorhaben. Bedingung: die Kombination mit einem Energieeffizient Sanieren-Kredit (151, 152) oder dem Investitionszuschuss (430) für einzelne Maßnahmen beziehungsweise die Sanierung auf KfW-Effizienzhaus-Standard.

Im Rahmen des Marktanreizprogramms (MAP) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) schließlich fördert die BAFA Bauherren, die ihre alte Heizungsanlage gegen eine Solarthermie- oder Biomasseanlage beziehungsweise Wärmepumpe austauschen. Auch lässt sich die bestehende Heizung um eine Solaranlage erweitern und entsprechend optimieren. Der Zuschuss beträgt je nach Anlage zwischen 2.000 und 4.000 Euro, inklusive eines „Heizungspaket“-Bonus‘ zusätzlich 1.300 Euro.
Achtung: Ab 2018 muss Ihr MAP-Förderantrag bereits vor der Auftragsvergabe gestellt werden!

Kombinieren lässt sich diese BAFA-Förderung zusätzlich mit einem KfW-Ergänzungskredit (167). Tipp: Eine Heizung, die erneuerbare Energien einsetzt, kann nur einmal gefördert werden: über das MAP oder das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ (151) beziehungsweise die Zuschussvariante (430). Planen Sie bei einer umfassenden Sanierung außer einer neuen Heizung weitere Maßnahmen, können Sie für Letztere Gelder über das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ beantragen und ihre neue Pelletheizung über das Marktanreizprogramm bezuschussen lassen.

Auch bieten einige Kreditinstitute Ökokredite – ohne Grundschuld – für die energetische Sanierung von Wohnhäusern. Checken Sie außerdem die Förderoptionen auf Länder und Gemeindeebene!

 

Von sanierten Altbauten profitieren

Erste praktische Einblicke in Planung und Realisation einer energetischen Sanierung geben vor allem bereits modernisierte Bauobjekte:
Beim dritten Ortenauer Hausbesichtigungstag am 12. November beispielsweise konnten Sie mit uns zwanglos ins Gespräch kommen! Architekt und Büroinhaber Albert Ellerbroek erzählte an diesem Sonntag über seine Erfahrungen beim Umbau der ehemaligen Brauerei, erläuterte auf Wunsch das Sanierungskonzept, nannte Details zur Förderung und Umnutzung. Wir danken allen Gästen für Ihren Besuch im denkmalgeschützten BauTurm Achern.

 

Weitere Informationen zum Thema bieten zudem folgende Webseiten:

Sanierungsleitfaden Baden-Württemberg – Erfolgreich Sanieren in 10 Schritten
BAFA – Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfW-Zuschussportal
BMWi – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BINE-Fördermitteldatenbank
Ortenauer Energieagentur

 

Konnten Sie aus diesem Beitrag etwas mitnehmen? Oder haben Sie bereits eine Sanierung gemeistert und wollen von Ihren Erfahrungen erzählen – nur zu! Haben Sie Kritikpunkte oder auch Anregungen, welche Themen Sie hier vertieft sehen möchten? Wir freuen uns über Feedback jeder Art.

 

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